Endspieltraining

Das Endspiel wird immer mehr zu einer sehr wichtigen Größe

  • weil man immer stärkere Gegner bekommt, geht es auch öfter ins Endspiel

  • weil das Endspiel sehr vielfältig ist!

  • Weil im Endspiel jede Figur ihre Besonderheiten deutlich zeigen kann!

Was unterscheidet Endspiel vom Mittelspiel?

  • Geringere Figurenzahl; meist nach Damentausch

  • Grundsätzlich andere Spielmethoden

    • König wird zu einer aktiven Figur (Der König muss nicht mehr verteidigt werden!)

    • Die Aktivität jeder Figur wird immer größer!

    • Das Spiel nimmt forcierten Charakter an! (Die weite und konkrete Berechnung nimmt zu!)

ENDSPIEL — PRINZIPIEN

(auch Endspielmethoden)

  1. Die Aktivierung des Königs

  2. Die Bildung und der Vormarsch von Freibauern

  3. Die Einschränkung der Beweglichkeit gegnerischer Figuren (Zugzwang)

Zu 1.

  • Zentralisierung des Königs, weil er aus dem Zentrum alle Teile des Schachbretts leichter erreichen kann.

  • Überführung des Königs in den Hauptabschnitt des Kampfes.

  • König ist im Endspiel auch ein Angreifer; auch gegen den gegnerischen König!

Zu 2.

  • Die Bedeutung von Freibauern steigt im Endspiel enorm an.

  • Der Freibauer wird entweder zur entscheidenden oder zur ablenkenden Kraft

  • Zur Bildung von Freibauern gibt es drei Wege

    • der Durchbruch

    • Vorrücken der Bauernmehrheit

    • Beseitigung der gegnerischen Bauern durch Figuren

Zu 3.

  • Die Erhöhung der Mobilität (Beweglichkeit) der eigenen Figuren.

  • Die erzwungene Verteidigung ist eine Methode, die Beweglichkeit der gegnerischen Figuren zu verringern.

  • Den gegnerischen Figuren (auch einzelnen) die Felder nehmen.

  • Aufbau von Hindernissen durch eigene oder gegnerische Figuren.

Erläuterungen zum Thema: „Einfache Bauern – Endspiele“

(1) Bauernendspiele – Stellung 0 [Quadratregel]

Das Quadrat des Bauern b4 ist b4–f8–f4–b8. Bei einem Bauern auf dem Ausgangsfeld (Grundstellung), beginnt das Quadrat erst ein Feld vor dem Bauern.

     

1…Kf4 Die Quadratregel sagt folgendes: Befindet sich der König im Quadrat des Bauern oder kann er in deses eintreten, holt er den Bauern ein, andernfalls nicht!

2.b5 Ke5 3.b6 Kd6 4.b7 Kc7 [Beispiel aus Auerbach, Lehrbuch der Endspiele. 1⁄2–1⁄2

(2) Bauernendspiele – Stellung 1 [Opposition]

Der gegnerische König kann die Umwandlung eines Bauern am besten bekämpfen, wenn er ein Feld auf seinen Wege besetzt. Die Seite mit den Bauern muss versuchen, den eigenen König vor den Bauern zu platzieren. Hier haben wir eine Opposition. Damit besteht gegenseitiger Zugzwang. Wer am Zug ist hat sozusagen den Schaden. Weiß kann nur Remis erreichen, Schwarz wird verlieren.

1.Kb3 Kb5! [Der schwarze König verhindert, dass der weiße König vorwärts gehen kann. [1…Kd5?? 2.Kb4+–] 2.c4+ [2.c3 Kc5= ändert nichts.] 2…Kc5 3.Kc3 Kc6 4.Kd4 Kd6 5.c5+ Kd7 6.Kd5 Kc7 7.c6 Kc8 8.Kd6 Kd8 9.c7+ Kc8 [bis schließlich die kritische Stellung erreicht wird. Wir haben eine Situation beiderseitigen Zugzwanges vor uns. Das Zugrecht ist hier für beide Seiten nachteilig. Weiß am Zug muss 10.Kc6 spielen, was zu Patt und somit Remis führt. Schwarz am Zug müsste 10… Kb7 ziehen, worauf Weiß 11.Kd7 antwortet und den Bauern in eine Dame umwandelt.Weiß muss somit obige Stellung also möglichst mit schwarzer Zugpflicht anstreben, während Schwarz danach trachten wird, dass Weiß am Zug ist.]

(3) Bauernendspiele – Stellung 2 [Opposition]

Bei der Verwandlung des Springerbauern verbirgt sich eine weitere Gefahr. Wegen der Pattgefahr ist dies etwas komplizierter.]

1.Kf7 [Weiß beabsichtigt, seinen König vor den Bauern zu bringen.][1.g6+? wäre ein Fehler 1…Kh8 2.g7+ Kg8 3.Kg6 Patt.] 1…Kh8 2.Kg6! [2.g6? Patt.] 2…Kg8 3.Kh6 [3.Kf6?! verdirbt nichts, ist aber der falsche Weg. 3…Kh7 4.Kf7 Kh8 und nun doch 5.Kg6 Kg8 6.Kh6+–] 3…Kh8 4.g6 [Dieser Bauernvormarsch zwingt den schwarzen König, die Opposition aufzugeben.] 4…Kg8 5.g7 Kf7 6.Kh7 [Der weiße König beherrscht nun das Umwandlungsfeld g8, und der Bauer geht im nächsten Zug zur Dame.]

(4) Bauernendspiele – Stellung 3 [Randbauer]

Ein Randbauer ist “immer” Remis! Das trifft natürlich nur dann zu, wenn der schwächere König in der Nähe des gegnerischen Bauern ist.Wäre hier weiß am Zug, könnte er mit]

1…Kg3 [1…– 2.Kf2 Kh1 3.Kf1 h2 4.Kf2 würde er den gegnerischen König einsperren, man spricht von Patt des Stärkeren!] 2.Kg1 h2+ 3.Kh1 Kh3 [Patt Wichtig ist es für die schwächere Seite, rechtzeitig die Ecke vor dem Bauern zu erreichen. Entweder direkt davor oder zum Einsperren des gegnerischen Königs.] 1⁄2–1⁄2

(5) Bauernendspiele – Stellung 4 [Kritische Felder]

1.Kf4! [1.Ke4? ist falsch. 1…Ke7 2.Kf5 Kf7=] 1…Ke7 2.Kg5! [2.Kf5? Kf7= Schwarz hat die Opposition.] 2…Kf7 3.Kf5 [Nun ist Schwarz am Zug und verliert die Kontrolle über die kritischen Felder. ] 3…Ke7 4.Kg6 [Der schwarze König wird zurückgedrängt, danach wird der Bauer d6 erobert.] 4…Ke8 5.Kf6 Kd7 6.Kf7 Kd8 7.Ke6 Kc7 8.Ke7 Kc8 9.Kxd6 Kd8 10.Ke6 Ke8 11.d6 Kd8 12.d7 1–0

(6) Bauernendspiele – Stellung 5 [Mehrbauer]

Weiß hat am Damenflügel einen Mehrbauern. Man sagt auch er hat die Majorität am Damenflügel. Zum Gewinn muss er dort einen Freibauern bilden.

1.Kf1 Ke7 2.Ke2 Kd6 3.b4 [Regel: Der Bauer, dem keiner der anderen Seite gegenüber steht, zieht zuerst: “Kandidat zuerst”.] [3.a4? A5] 3…Kd5 4.Kd3 f5 5.f4 g6 6.g3 a6 7.a4 Kc6 [Früher oder später muss der schwarze König zurückgehen.] 8.Kd4 Kd6 9.b5 axb5 10.axb5 Kc7 11.Ke5 [Weiß gibt den Freibauern, um am anderen Flügel einzudringen und entscheidendes materielles Übergewicht zu erlangen.] 11…Kb6 12.Kf6 Kxb5 13.Kg7 Kc4 14.Kxh7 Kd4 15.Kxg6 1–0

(7) Bauernendspiele – Stellung 6 [Dreiecksmarsch]

Um seinen Vorteil umzusetzen macht der weiße König nun ein Dreiecksmanöver. Der schwarze König kann dies nicht kopieren, weil ihm die Felder fehlen. Bei einem Dreiecksmanöver geht es darum die gleiche Stellung mit der anderen Seite am Zug zu erreichen.]

1.Kd4 [1.Kd6 Kd8 und nun wäre 2.c7+? Falsch. 2…Kc8=] 1…Kd8 [1…Kc7 2.Kc5 1–0] 2.Kc4 Kc8 [2…Kc7 3.Kc5 1–0] 3.Kd5 Kd8 4.Kd6 Kc8 5.c7 Kb7 6.Kd7 1–0

(8) Bauernendspiele – Stellg 7 Entfernter Freibauer

Beide Seiten haben einen Freibauern. Aber hier, wo auch auf der g-Linie noch ein Bauernpaar steht, ist der entferntere der entscheidende.]

1…c4+ [Auch andere Züge helfen nicht.] (1…Kd6 2.Kc4 Kc6 3.a5 Kd6 4.Kb5+–] 2.Kc3 Kc5 3.a5 Kb5 4.a6! [Entscheidend. Der schwarze König muss sich um diesen Bauern kümmern und danach steht er schon zu weit abseits, um noch beim Kampf um die anderen Bauern eingreifen zu können.] 4…Kxa6 5.Kxc4 Kb6 6.Kd5 Kc7 7.Ke6 Kd8 8.Kf6 Ke8 9.Kxg5 Kf7 [Oder 9…Kf8 10.Kg6 Kg8 11.g5 Kh8 12.Kf7+–] 10.Kh6 1–0

(9) Bauernendspiele – Stellung 8 [Fernopposition]

1.Ke2! [Falsch wäre 1.Ke1?? denn nun gewinnt Schwarz. 1…Ke7 2.Kd2 Kd6 3.Ke3 Ke5 4.Kd3 Kd5 5.Ke3 (5.Kc3 Ke4–+) 5…Kc4–+] 1…Kf8 2.Kd3! [Umgehung] 2…Ke7 3.Ke3! [Fernopposition] 3…Ke6 4.Ke4 [Nahopposition] 4…Kd6 5.Kd4! [5.Kf5? Kd5 6.Kg5 Kc4 7.Kxh5 Kxb4=] 5…Kc6 6.Ke5 Kc7 7.Kd5 Kd7 8.Kc5 Kc7 9.Kxb5 Kb7 10.Kc5 Kc7 [10…Ka6 11.Kc6! Nach 11.d5 oder 11.b5+ erreicht Weiß nur ein Remis, weil der schwarze König rechtzeitig nach f8 gelangt. 11…Ka7 12.Kd5 Kb6 13.Ke5+–] 11.Kd5 Kb6 12.Ke5 [Schwarz erreicht nicht mehr rechtzeitig das Feld f8.] 1–0

(10) Bauernendspiele – Stellung 9 (Un)bewegliche Majorität

Beide Seiten haben an je einem Flügel eine Majorität, aber Weiß kann die schwarze am Vormarsch hindern.

1.a5! [Damit werden die schwarzen Bauern am Damenflügel vorerst festgelegt.] 1…Ke7 [Oder 1…Kc7 2.g4 b6 3.axb6+ Kxb6 4.h4 Kc5 5.g5 hxg5 6.h5! Der schwarze König gelangt nicht mehr ins Quadrat des Bauern.] 2.Kf2 Ke6 3.g4 Ke5 4.Ke3 c5 5.b3 Kd5 6.h4 Ke5 7.Kd3 Kf4 8.g5! [Erst tauscht Weiß den letzten schwarzen Bauern am Königsflügel ab, dann erobert er die restlichen schwarzen Bauern.] [8.Kc4?? bringt Weiß in Not. 8…Kxg4 9.Kxc5 Kxh4 10.Kb6 Kg4 11.Kxb7 h5 12.b4 h4 13.Kxa6 h3 14.b5 h2 15.b6 h1D–+] 8…hxg5 9.hxg5 Kxg5 10.Kc4 Kf5 11.Kxc5 Ke5 12.Kb6 Alle schwarzen Bauern werden erobert. 1–0

(11) Bauernendspiele – Stellung 10 [Gedeckter Freibauer]

1.Kd4 f4 2.Ke5 a5! 3.a3 [3.bxa5? Kxc5=] 3…a4 4.Kf5 d4 [Dieser Bauer kann vom eigenen König nicht unterstützt werden.] 5.Ke4 d3 [Durch das Bauernopfer kann Schwarz seinen König aktivieren.] 6.Kxd3 Kd5 7.g3! [Der einzige Zug, der zum Erfolg führt.] 7…fxg3 [Es gibt nichts Besseres.] 8.Ke2 Ke5 [8…g4 9.Kf1 Ke5 10.Kg2+–] 9.Kf3 Ke6 10.Kxg3 Kf5 11.Kf3 [11.c6?? Dieser Zug ist übereilt. 11…Ke6 12.Kg4 Kd6 13.Kxg5 Kxc6 14.Kf5 Kd5–+ Der weiße König kommt an seinem Widerpart nicht vorbei.] 11…Ke5 12.Kg4 Kf6 13.c6 [Jetzt gewinnt diese Ablenkung des schwarzen Königs.] 13…Ke6 14.Kxg5 Kd6 15.Kf5 Kxc6 16.Ke6 1–0

(12) Bauernendspiele – Stellung 11 [Reservetempo]

Zwei Stellungsmerkmale ermöglichen den weißen Sieg:1. Weiß kann noch mit dem h-Bauern ziehen und hat somit 2 Reservetempos für den Fall von Zugzwangstellungen. 2. Weiß gelangt mit dem König auf die 4. Reihe, Schwarz mit dem seinigen nur bis auf die 6. Reihe. ]

1.Kf3 Ke7 2.Ke3 [Im Kampf der Könige um Raumgewinn ist die Zugmöglichkeit h2–h3 oder h2–h4, das Reservetempo, entscheidend.] 2…Ke6 [2…Kf6 3.Kd4 g5 4.h4 gxh4 (4…g4 5.Kd5 Kg7 6.Ke5 Kg6 7.Ke6+– Die schwarzen Bauern werden allesamt erobert.) 5.gxh4 Ke6 6.Kc5 Ke7 7.Kd5 Kf6 8.Kd6+– Der Nachziehende kann das Eindringen des weißen Königs nicht unterbinden.] 3.Kd4 Kd6 4.h3! Ke6 5.Kc5 Ke7 6.Kc6! [Nur so kann der schwarze König zurückgedrängt werden.] [6.Kd5 Kd7 7.Ke5 Ke7 8.h4 Kf7 9.Kd6 Kf6 1⁄2–1⁄2] 6…Ke6 7.h4! [Hier ermöglicht das Reservetempo den Sieg für Weiß.] 7…Ke7 8.Kc7! [8.Kd5? Kd7=] 8…Ke6 9.Kd8! Kf7 [9…Kd5 Auch dieser Gegenangriff bringt nichts ein. 10.Ke7 Ke4 11.Kf6 Kf3 12.Kxg6 Kxg3 13.Kg5!+–] 10.Kd7 Kf6 11.Ke8 [Schwarz kann das Eindringen des weißen Königs nicht verhindern.] 1–0

Hier gibt es noch ein paar Aufgaben zum Üben:

1 Kommentar

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    • Frank-Peter Rößler auf April 27, 2020 bei 10:10 pm

    Tja lasst uns für bessere Zeiten üben.
    Frank-Peter Rößler

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